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Räuber und andere Gauner
"Entschuldigung, das ist nicht mein Baugrundstück, Guten Tag!" Mit diesen Worten grüßt Lars den Polier der Erdbaufirma, die Gestern mit dem Aushub der Baugrube für Lars künftiges Einfamilienhaus begann. „Ich nix verstehen, viele, viele Krach. Das ist nicht mein Baugelände. Du sprechen mehr lauter, ich Spezialist.“ „Sie arbeiten auf der falschen Baustelle, verdammt noch mal!!!“ „Du nix so schreien, ich gut hören.“, sprach der Polier, dreht sich um, läuft seelenruhig weg und lässt unbeeindruckt weiter arbeiten. Kopfschüttelnd schaut Lars dem entschwindenden Spezialisten hinterher. Der erste Gesprächsversuch versinkt im Lärm der Lastwagen und Baumaschinen. Entrüstet folgt Lars dem Polier und startet gezielt einen weiteren Versuch, ihm klar zu machen, er habe sich samt Ausrüstung, um gleich mehrere Parzellen verhauen. „Hör mir zu, Du Spezialist, das Gelände, auf dem Du hier buddelst, gehört mir nicht.“ „Ja, glaub ich, bin in Mihle von die Klaps, das Spinner schone wieder Male, was wolle Du?“ Plötzlich bemerkt Lars, auf der Baustelle wird es ruhig, die Motoren der Baufahrzeuge werden abgestellt. Er bildet sich fälschlicherweise ein, nun endlich hätte es beim Polier gefunkt und ein Gespräch über das Problem käme in Gang. „Was wolle Du, ist jetzt Mittag, Du spreche nach die Esse!“ Nach einem weiteren Anlauf, scheint der Polier tatsächlich zu verstehen, um was es geht. „Nix meine Schuld, Du wolle Bauen und da ist Deine Pfoste in die Bode, na, was sage Du jetzt?“ Lars ist, über soviel Sturheit überrascht und ruft umgehend den Chef der Firma. Herr Räuber verspricht, sofort auf der Baustelle zu erscheinen, damit die Angelegenheit zur Klärung kommt. Drei Stunden später taucht Herr Räuber endlich auf, lächelt charmant und erklärt, so umständlich wie möglich, die Gründe der kleinen Verspätung und verweist an seinen Bauleiter, der noch nicht die geringste Ahnung besitzt, was da auf Ihn zukommt. Mit den Worten, „Kriegen wir schon hin, rufe gleich den zuständigen Herrn“, verpisst sich der große Meister, um andere, dringende Geschäfte zu organisieren. Zum Beispiel, auf unübersichtlichen Großbaustellen, ein und den selben Dreiachser, einschließlich Ladung unbemerkt zweimal auf die Waage zu bringen. Bauleiter komme heute nix mehr, viele Arbeit, musse warte. Soviel zur Auffassung des Poliers, der sich samt seinen Leuten und zwei Kasten Bier, für den Rest der vorgesehenen Arbeitszeit, im Bauwagen verkrümelt. Damit ist dieser Tag an Lars Traumhaus gelaufen. Am nächsten Morgen, so kurz vor zwölf Uhr Mittags, beginnt nach einigem Hin-und-Her, das Gespräch zwischen Bauherr und Unternehmer, vertreten durch die Person des Bauleiters, der den Fehler als Kleinigkeit bezeichnet und die zum Teil ausgehobene Grube, mit Aushubmaterial aus der neuen und richtigen Baugrube, zuschütten will. Erledigt, könnte ein unbedarfter Beobachter glauben, wenn da nicht die Frage der Kostenübernahme im Raum stünde. Arbeiten auf Lars tatsächlichem Baugrundstück verlaufen hingegen ohne größere Zwischenfälle. Zur Erstellung der Rechnung bemisst der Bauleiter die mittlere Länge, Höhe und Tiefe der neuen Baugrube und kommt bei seinen Berechnungen auf 396 cbm Erdaushub. Der Firmenchef Räuber erreicht frei über den Daumen gepeilt 436 cbm, die prompt so auf der Rechnung erscheinen sollen. Denn irgend jemand, außer Räuber selbst, dessen Fahrzeuge sogar in Stehen Geld verdienen, muss das unbedeutende Missgeschick, auf fremden Baugelände finanziell ausgleichen. Als sich der noch junge Bauleiter weigert, diesen kleinen, minimalen Aufschlag zu unterschreiben, verliert er sofort seinen Job und wird durch einen sogenannten, freien Bauleiter ersetzt. Der wiederum erhält kein Honorar, weil Räuber ihm vorwirft, falsch und zu wenig abzurechnen. Das geht gar nicht, schließlich fühlt sich Räuber seinem Namen verpflichtet und korrigiert die Aushubmenge, wiederholt und vorsichtshalber nach oben. |
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